Trainingsfrage

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1 Monat 1 Woche her #655 von AnnaW
Trainingsfrage wurde erstellt von AnnaW
Ich habe einen Knoten im Kopf, den ich einfach nicht endgültig gelöst bekomme. Vielleicht habt ihr Lust euch mit mir darüber auszutauschen?

Der Knoten bezieht sich auf ein ganz grundlegendes Trainingsziel bei der Trüffelsuche. Die Hunde, die ich bisher live erlebt habe, suchen im Prinzip immer Trüffel. Es gibt keinen "an" oder "aus" Schalter, da es ja für uns Menschen durchaus praktisch ist jeden Trüffel gezeigt zu bekommen. Trainingsziel ist hier also natürlich ein Hund, den es in jeder Lebenslage beim riechen des Geruchs herum reißt und dann den Trüffel anzeigt. Egal ob bei der morgendlichen Pipirunde oder im Garten von Oma ;-)

Eine zweite Möglichkeit (und so kenne ich es von allen anderen Suchtrainings) wäre es, ein Startritual zu schaffen und die Trüffelsuche in einen klaren Rahmen zu legen. Für den Hund also klar abgegrenzte, konzentrierte "Arbeit".

Meine Gedanken dazu sind folgende: Ich kann als Mensch niemals einen Rahmen schaffen, in dem es sicher keinen Trüffel gibt. Das heißt, wenn ich auf einer normalen Gassi runde bin und der Hund mir "zufällig" einen Trüffel zeigt, ist das ja nett und kann ich ja auch niemals ignorieren, denn er hat seinen Job gemacht und ich finde evtl. Trüffel, die ich sonst nie gefunden hätte. ABER: ich besitze Border Collies und bin daher sehr sensibel in Bezug auf Junkie Verhalten. Ich lege sehr großen Wert auf entspanntes Gassi, schlendern, Zeitung lesen. Ohne Arbeit für den Hund, da das für die Workaholics schnell ins negative driftet. Der "aus" Schalter ist mir also bisher im Alltag heilig und gerade für diese Rasse extrem wichtig. Ich will mir keinen Hund schaffen, der jedes Gassi als Job betrachtet.
Zweiter Gedanke dazu: ein Hund, der mit klarem Fokus arbeitet, arbeitet doch auch viel konzentrierter? Wäre das nicht für eine gute Suche von Vorteil, wenn es ein klares Startsignal gibt und der Hund definitiv weiß, welchen Job er jetzt mit voller Intensität erledigen soll?
Meine Überlegung dazu wäre also folgende: Mein Hund lernt ein Startsignal & ein Ritual, welches ganz deutlich macht, dass wir Trüffel suchen und nix anderes. Genauso ein Ende Signal dazu. Sollte er im Alltag doch mal über einen Trüffel stolpern und mir diesen anzeigen, wird er natürlich dennoch gelobt, aber wesentlich weniger hochwertig.

Aus Hundetrainer Sicht erscheint mir das sinnvoll. Gibt es irgendein Argument aus der Praxis, was mich davon überzeugt das nicht so zu machen? Wie arbeitet ihr eure Hunde? Sind Junkies dabei?

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1 Monat 1 Woche her #656 von Pudelchen
Pudelchen antwortete auf Trainingsfrage
Hallo Anna,

zu diesen Thema gibt es, wie du es schon ahnst, kein echtes Rezept.
Doch wer einen erfolgreichen Trüffelhund hat, hat - vermute ich - auch einen Weg gefunden, dem Hund zu vermitteln dass es gerade ungünstig ist nach Trüffel zu graben.

Ich kann nur bedingt mitreden, denn Hägar ist für einen Zwergpudel ausgesprochen untypisch: ruhig, besonnen bei der Suche, faul in der Aktion.
Mit Junkies ist es, beim Trüffeln wohl so wie in vielen anderen Fällen, wesentlich bedeutender eine klare Sprache zu sprechen.
Und wenn du mit 3 Hunden suchst kann es so weit gehen, dass du sie einzeln auffordern solltest - sonst kommst du nicht mehr hinterher. Mit der Folge, dass die Hunde enttäuscht sind und sich schnell eine alternative Bestätigung suchen.
Freilich kann es sein, dass außerhalb der Suche dir was durch die Lappen geht. Das macht doch nichts, morgen willst du auch noch was findenden.

Zu deinen Gedanken der konzentrierten Suche:
Bei klar fokusierter Suche in einem vorgegebenen Gebiet mit Start/Stpo - der Hund arbeitet sicher konzentrierter. Doch birgt dies auch die Gefahr von Misserfolg. Darauf musst du vorbereitet sein (Plantagen absuchen)
Doch manchmal trottet der Hund beim Gassi gehen einer verlockenden Spur nach. Jäh wird er von einem fremden Hypogäenduft aus der Tiefe aus seinem Traum gerissen. Er bleibt stehen, blickt sich um und fragt dich: "Hast du das auch gerochen?" Nun kannst du dich entscheiden.... So gehet es mit einem Nur-Trüffel/Käse-Junky.

Schöne Grüße
(auch aus Oberfranken)
Doris

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1 Monat 1 Woche her #660 von AnnaW
AnnaW antwortete auf Trainingsfrage
Danke für deine ausführliche Antwort, liebe Doris. Es ist immer schön, wenn jemand die eigenen Gedanken mit denkt ;-)

Ich habs im anderen Thema ja schon geschrieben, mit drei Hunden werde ich nicht suchen. Das fällt daher raus. Aber ja, Klarheit ist das a und o bei schnellen, eifrigen Hunden. Von daher werde ich also bei meiner Ausgangsidee bleiben, ein Startsignal zu trainieren.
Aus anderen Suchstilen kenne ich es, dass bestimmte Dinge einfach Sinn machen und man das machmal erst durchschaut, wenn man tief in der Materie drin ist. Daher dachte ich, ich frage mal, ob es beim Trüffeln eben ganz gezielt gewollt ist kein Anfang und Ende zu trainieren. Ich komme aus dem Hundetraining und durchdenke sowas aber vielleicht auch einfach mehr, als andere. Vielleicht manchmal auch zu viel... ;-)

Danke für den Hinweis auf den Misserfolg! Das zu trainieren macht absolut Sinn, das hatte ich bisher noch nicht im Kopf.

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1 Monat 1 Woche her #661 von Doro
Doro antwortete auf Trainingsfrage
Meine Hunde sind beim Trüffeln nicht im Arbeitsmodus. Das ist für die was völlig anderes als Mantrailing oder Fährten oder Dummyarbeit. Meine Hunde gehen spazieren. Wenn sie dabei zufällig einen Trüffel bemerken, graben sie den flugs aus. Aber wenn sie gerade was anderes im Kopf haben, finden sie keine Trüffel.

Meine Hunde sind auch extrem motiviert, wenn sie eine Aufgabe haben und das artet schnell in Hektik und Gefiddel am Start aus. Das habe ich aber alles beim Trüffeln nicht, weil wir keinen "Start" haben. Entweder sie stolpern über welche oder nicht, da sind wir total ergebnisoffen unterwegs.

Ich habe bei der Konditionierung den Hunden nur gezeigt: Trüffel sind toll, da gibt's was für. In ihren Hirnen hat sich hauptsächlich festgesetzt: "Trüffel sind toll". Ob ich belohne oder nicht, ist inzwischen zweitrangig. Die Hunde interessieren sich persönlich für Trüffel – so wie sie sich für Pinkelstellen und Mäuselöcher interessieren.

Es macht total Sinn, ein "Jetzt-reichts-Signal" zu haben. Aber ein Startsignal finde ich schwierig. Wie Doris schon sagte - da sind Misserfolge vorprogrammiert. Wie oft habe ich schon an einer mir bekannten Trüffelstelle gestanden und gedacht, hier MUSS doch jetzt was sein. Aber der Hund zeigte nichts an. Den Hund angesprochen, auf den Baum gezeigt, den Hund motiviert: Dann dreht sie gutmütig eine Runde um den Baum und schnuffelt ein bisschen in der Gegend rum, aber zeigt immer noch nichts an. Und denkt sich wahrscheinlich: "Was soll der Scheiß?".

Wenn Du das mit einem schlauen Hund machst, hat der ganz schnell raus, wie er Dich aufs Kreuz legen kann, indem er halt an irgendeinem Baum scharrt. Und das lohnt sich auch noch für ihn, weil er dafür ja zumindest schon mal verbales Lob und Aufmerksamkeit kriegt.
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